Chronik

Nicht der freie Entschluss von Bürgern, den Brandschutz in Walsumer Ortsteil Vierlinden zu verbessern, sondern eine staatliche Anordnung führte im Juni 1942 zur Gründung unserer Löschgruppe.

Die Vorgeschichte war folgende :
Der von Hitler 1939 begonnene 2. Weltkrieg hatte von Beginn an die Zivilbevölkerung im deutschen Reichsgebiet in ständig wachsendem Umfang den Luftangriffen der Briten und Amerikaner ausgesetzt. 1937 war mit dem Luftschutzgesetz für den Schutz der Zivilbevölkerung und ihrer Habe in Kriegszeiten geschaffen worden. ´´Sicherheits- und Hilfsdienste´´, zu denen Polizei, Feuerwehreinheiten, Rotes Kreuz usw. gehörten, waren nach diesem Gesetz für den Luftschutz zuständig. Mit der Ausweitung des Luftkrieges wurde die Arbeit dieser Dienste immer größer und schwieriger. Im März 1942 begannen die Briten eine Großoffensive ihrer Luftwaffe auf deutsche Fabrikgroßstädte. Am 28. / 29.03. wurde Lübeck, am 30. / 31.05. Köln stark bombardiert, viele Zivilpersonen dort getötet, ihre Häuser und Habe durch Feuer zerstört. Die Luftschutzorganisation in diesen Städten war sachlich und personell überfordert. Da gleiches jederzeit in anderen Städten passieren konnte, versuchte die Regierung durch organisatorische Maßnahmen Abhilfe zu schaffen. Schon durch das Gesetz über das Feuerlöschwesen von 1933 waren die Berufsfeuerwehren in Polizei-, die Freiwilligen Feuerwehren in Hilfspolizeitruppen umgewandelt und als Feuerschutzpolizei bezeichnet worden. 1939 wurde die Feuerschutzpolizei in den Sicherheits- und Hilfedienst eingegliedert, der ab 01.06.1942 seinerseits durch ministeriellen Erlaß in ´´Luftschutzpolizei´´ umgewandelt wurde. Gleichzeitig mobilisierte man ab Frühjahr 1942 ´´Restgruppen Freiwilliger Feuerwehren´´. Dazu zog man Männer heran, die vielfach Feuerwehrpraxis hatten, wegen ihrer kriegswichtigen Arbeit in der Produktion nicht zum Luftschutzdienst herangezogen werden konnten, sich in den Nachtstunden aber zu Hause aufhielten. Sie wurden zu neuen Löschgruppen zusammengefasst und mit dem gerade noch verfügbaren, oft recht primitiven Gerät ausgerüstet.



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Auch im ´´Luftschutzort I. Ordnung´´ Walsum organisierte man im Juni 1942 Feuerwehrwesen und Luftschutz auf Grund der oben genannten Erlasse um und stellte unsere Gruppe neu auf. Sie war wie die erwähnten Gruppen auch aus Männern gebildet, die wegen ihrer kriegswichtigen Arbeit keinen Militärdienst leisteten. Die Polizeibehörde Duisburg verpflichtete sie zum Feuerwehrdienst.

Heinrich Heidtmann, vom bereits lange bestehenden Löschzug Aldenrade abgestellt, übernahm Führung und Ausbildung, was bei der vorhandenen Ausrüstung nicht leicht war. Ein Fahrzeug oder eine Kraftspritze standen 1942 noch nicht zur Verfügung; nur eine Karre mit Schlauchmaterial, Standrohr, Hydrantenschlüssel und Beilen. Standort war der Hochbunker Vierlinden, eine Bretterbude dort das Gerätehaus.

Anfang 1943 erhielt die Gruppe ein Löschfahrzeug mit Kraftspritze, später wurde sie personell mit Frauen und Jungen verstärkt.

Als im April 1945 mit der Besetzung der Gemeinde durch die Amerikaner für die Walsumer der Krieg zu Ende ging, hatte die junge Gruppe eine schwere Zeit hinter sich in der sie beim Löschen zahlreicher Brände nach Bombenangriffen ihr Bestes gegeben hatte. Ein Teil der dienst verpflichteten Mitglieder verließen die Gruppe, die restlichen blieben – jetzt freiwillig und ohne staatlichen Zwang. Auch ging ein großer Teil des Gerätes verloren, doch bald hatte man sich wieder personell verstärkt und Gerät beschafft.

Bis 1947 führte Heinrich Heidtmann noch die Gruppe, Hans Faltinski löste ihn ab und von diesem wiederum übernahm Balthasar Fröbus sen. 1947 die Führung.
1948 stellte die Gemeinde Walsum Grundstück, Plan und Material für ein Gerätehaus an der Hermannstraße neben der Schmiede Steinkuhl zur Verfügung; die Gruppe baute es innerhalb weniger Monate in Eigenhilfe. Zwar bestand dieses Gerätehaus für lange Jahre bis 1971 nur aus einem Garagenraum mit Steigeturm, in dem Gerät abgestellt und Schläuche getrocknet werden konnten, aber es war gegenüber der ersten Bretterbude am Hochbunker ein großer Fortschritt.


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Als in der Nacht zum 31.12.1950 der hölzerne Laugenturm der Zellstoffwerke brannte, bekämpfte unsere Gruppe mit den Walsumer Gruppen und weiteren aus Nachbarorten den ersten Großbrand nach dem Krieg. Am 03. / 04.04.1952 half sie an gleicher Stelle bei einer Chlorgasexplosion, die sieben Todesopfer und zahlreiche Verletzte Forderte. Aber auch eine ständig steigende Zahl ´´normaler´´ Einsätze musste vom Beginn der Fünfziger Jahre an geleistet werden. Eine rege Bautätigkeit zu dieser Zeit in Walsum trug dazu bei.

Mit der Übergabe eines neuen LF 8 mit TSA im November 1954 durch Bürgermeister Faltinski war von seitens der Gemeinde wiederum ein wichtiger Schritt zur Verbesserung des Brandschutzes getan worden. Das Fahrzeug leistete lange Jahre gute Dienste. Es wurden damit, neben vielen anderen, Einsätze bei den Gasexplosionen August 1963 in Wehofen und Dezember1969 in Aldenrade gefahren. Zwar standen seit 1968 mit einem TLF 8, einem SKW und einem LF 16 Fahrzeuge des Zivilschutzes zur Verfügung, aber erst 1973 lieferte die Stadt mit einem LF 8 ein kommunales Fahrzeug.

Balthasar Fröbus sen. Wurde 1968 von Werner Rinke als Gruppenführer nach Erreichen der Altersgrenze abgelöst.

Für Werner Rinke und uns ging im Juni 1971 mit der Einweihung neuer Räume des Gerätehauses an der Hermannstraße ein Provisorium zu Ende. Fast dreißig Jahre hatte es gedauert, bis eine ´´richtige´´ Unterkunft mit Aufenthalts-, Geräte-, Waschraum und Toiletten zur Verfügung stand.

Über die Erwähnung der Großbrände Turnhalle Am Nüninghof im Juli und Allwetterbad Scholte-Rahm-Straße im September 1973 sollen die vielen anderen Einsätze in den Jahren bis 1975 nicht vergessen werden.

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Infolge der kommunalen Neuordnung ging die Stadt Walsum entgegen ihrem Bürgerwillen 1975 in der neuen Stadt Duisburg auf. Seither sind wir die ´´Löschgruppe 402´´, eine von 27 der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt. Zusammen mit der Berufsfeuerwehr fuhren wir in unserem Ortsteil noch bis 1976 regelmäßig Einsätze. Dann zog die Berufsfeuerwehr in die neue Wache an der Dr.-Wilhelm-Roelen-Straße ein und die Zahl unserer Einsätze ging stark zurück.

Im Jahre 1977 wurde die Löschgruppe von Ralf Nohlen übernommen, der die Gruppe 6 Jahre leitete. Im März 1983 wurde er zum Zugführer, nach Ausscheiden von Hermann Schmitz, des Löschzuges 410 (LG 401 und LG 402) gewählt, und übergab das Kommando an Balthasar Fröbus jun.



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Unsere Löschgruppe wurde nur bei größeren Schadenslagen alarmiert, wobei meist die Feuer-und Rettungswache 4 an der Dr.-Wilhelm-Roelen-Straße durch uns besetzt wurde.

Im Januar 1990 wurde die Löschgruppe an Karl-Heinz Weinen übergeben.

Bei den beiden Frühjahrsstürmen 1990 wurde unsere Gruppe zur technischen Hilfeleistung eingesetzt. Mehrere Bäume mußten aus Vorgärten oder von Straßen geräumt werden. Gebäudeteile, die drohten herunterzustürzen wurden gesichert, damit sie keine Gefahr mehr darstellten.


Karl-Heinz Weinen wurde nach Ausscheiden aus dem Aktiven Dienst, am 01.06.2002 von Günter Woywod als Gruppenführer abgelöst.

Der erste MANV Einsatz für den Löschzug 410, es handelte sich ´´nur´´ um eine Tatortabsicherung.

Am 31.12.2007 gab Günter Woywod die Gruppenführung an Edgar Schiwek ab.

Großeinsatz bei Grillo am 09.04.2008, nach MANV Alarmierung, musste der Behandlungsplatz nachgeholt werden und wurde vorsorglich aufgebaut. Es dauerte auch nicht lange und wir wurden richtig gefordert. Nach nochmaliger Evakuierung der Anwohner, diesesmal aus der Rhein-Ruhr-Halle, standen über 100 Personen vorm Behandlungsplatz.

Durch die neue Aufgabenverteilung an die einzelnen Löschgruppen, hat sich in den letzten Jahren auch die Einsatzhäufigkeit wieder nach oben verändert.

Nach einigen kleineren Einsätzen (Sturm, Feuermelder, Keller unter Wasser) haben wir auch einige hinter uns gebracht (Loveparade), die uns noch lange im Gedächnis bleiben.

Im Sommer 2011 haben wir ein "neues" Fahrzeug bekommen. Einen LF 16 TS, Bauj. 1988, was jetzt der Stadt gehört. Abgegeben haben wir unser "altes" Fahrzeug einen LF 16 TS Bauj. 1989, es wurde durch den Bund abgerufen und ging nach Düsseldorf

Zum Jahresanfang 2012 veränderte die Führung in Walsum - Vierlinden. Durch den Ruhestand des scheidenden Zugführer in Walsum, Lothar Böhm, wurde Edgar Schiwek am 28.02.2012 zum Zugführer gewählt.

Harald Kannewischer wird am gleichen Tag Löschgruppenführer.